Menschen unter uns

Gestern mussten wir uns von einem langjährigen, sehr geschätzten Kollegen verabschieden, weil er eine Oberarztstelle antritt. Es gab den üblichen Ausstand mit Kaffee und Kuchen, Abschiedsgeschenken und einer Ansprache des (stellvertretenden) Abteilungsleiters. Dann ergriff er auch selbst noch das Wort und sagte etwas Bemerkenswertes:

Er wolle aus aktuellem Anlass der letzten Tage etwas hervorheben, was ihm wichtig war. (Und dabei rang er erkennbar um seine Fassung.) Er sei bei uns immer als Mensch akzeptiert worden, habe arbeiten können, wie er es gelernt hatte, bei Meinungsverschiedenheiten seien die unterschiedlichen Ansichten gegeneinander gestellt und abgewogen worden, manchmal seien auch die Temperamente aufeinander geprallt, aber immer habe er — als Mensch und als Arzt ernst genommen — bei uns seine Arbeit tun können.

Ich fragte mich schon, warum solche Dinge, die eigentlich selbstverständlich sind, ihm die Tränen in die Augen treiben. Aber dann kam das Besondere:

Er ist das, was man heute einen Flüchtling nennt. Das ist schon länger her, er ist damals vor dem Bosnienkrieg hierher geflohen. Aber die vielen Menschen, die auch jetzt vor Krieg und Hunger zu uns fliehen, machen diese Geschichte wieder aktuell. Und er appellierte an uns, diese Menschen ebenso wie ihn aufzunehmen, und ihnen eine Chance zu geben, ihren erlernten Beruf auszuüben und ihren Beitrag für die Gesellschaft zu leisten. Viele von ihnen haben einen Beruf, sind Ärzte (oder Handwerker, Ingenieure, Lehrer usw.) wie wir. Sie sind nicht nur Fremde, die bei uns Zuflucht suchen, sondern Menschen, die etwas gelernt haben und wertvoll für andere sein können und wollen.

Lieber Adem, ich wünsche Dir viel Erfolg und Zufriedenheit an Deiner neuen Stelle. Du wirst mir im Gedächtnis bleiben, weil ich gerne mit Dir zusammengearbeitet habe — aber auch wegen Deiner Abschiedsrede.

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Der Aufstand Gottes

Ich habe gerade noch mal den sehr hörenswerten Vortrag „Sinnfindung und Sinnstiftung“ von Karl-Josef Kuschel gehört. Besonders im Kopf geblieben ist mir dabei dieses Gedicht von Kurt Marti:

das könnte manchen herren so passen
wenn mit dem tode alles beglichen
die herrschaft der herren
die knechtschaft der knechte
bestätigt wäre für immer

das könnte manchen Herren so passen
wenn sie in ewigkeit
herren blieben im teuren privatgrab
und ihre Knechte
knechte in billigen reihengräbern

aber es kommt eine auferstehung
die ganz anders wird als wir dachten
es kommt eine auferstehung die ist
der aufstand gottes gegen die herren
und gegen den herrn aller herren: den tod

Dies als Ermutigung in unserer so weltlich gewordenen Zeit.

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Liebeserklärung an die Vielfalt – eine Weihnachtsbotschaft

Über verschiedene Kanäle kursiert hier gerade dieser Text der Sektion“Frohe Botschaft“ der Hedonistischen Internationale. Der ist so gut, dass ich ihn hier komplett wiedergeben möchte. Passt auch prima zur Weihnachtspredigt heute abend bei uns im Heilig-Abend-Gottesdienst.

In den letzten Wochen haben Menschen in Dresden und anderswo Angst, Kälte, Kleinmut, Rassimus, Islamophobie und Fremdenfeindlichkeit auf die Straße getragen. Wir sind nicht nur verunsichert, sondern sehen das friedliche Zusammenleben in diesem Land erschüttert. Was wir in Dresden sehen, sind nicht die üblichen Nazis, aber Menschen, die letztlich die gleiche menschenverachtende Ideologie verbreiten.

Doch unser Land sieht anders aus.

Wir leben schon heute Vielfalt.

Wir finden es normal, dass der marrokanische Schwager mit uns Weihnachten feiert. Und es dann kein Schweinefleisch zu Essen gibt. Wir haben Freundinnen und Freunde aus Russland, Usbekistan, Mali, Österreich und Tunesien. Wir lernen von anderen und merken, dass andere von uns lernen. Das ist Zusammenleben, auch wenn wir manchmal Dinge nicht verstehen. Wir interessieren uns für andere Kulturen, Religionen und Ansichten und werden niemanden eine Kultur überstülpen.

Wir gehen mit muslimischen Bosniern und Iranern und ihren Kindern zusammen auf den Martinsumzug, weil uns allen das Teilen und das Ritual mit den Laternen so gut gefällt. Wir sind gerührt, wenn die 5-jährige Nichte sagt, dass sie in weniger Ländern Ausländerin sei als eine Deutsche, weil sie nämlich zwei Pässe habe.

Wir trinken augenzwinkernd mit Moslems guten Wein und lachen zusammen. Wir trinken Tee beim Opferfest und erkennen, dass Nächstenliebe nicht nur beim christlichen Weihnachtsfest seinen Platz hat und Alkohol trinken nicht zwingend für Geselligkeit nötig ist.

Wir sind neugierig, was der russische Oberst, den wir kennenlernen, zu erzählen hat. Wir sehen Begegnung als Bereicherung des Lebens. Sie eröffnet Perspektiven, die wir davor noch gar nicht erahnen konnten. Wir lachen verschmitzt mit der häkelnden türkischen Oma in der U-Bahn über eine skurille Situation. Und freuen uns über ihr Gesicht, das wir noch Jahre später vor Augen haben. Uns werden täglich die Augen geöffnet von der Vielfalt, die auf uns einprasselt.

Wir lernen Sprachen in der Schule und können uns damit auf der ganzen Welt verständigen. Wir haben keine Angst, wenn Kinder aus aller Herren und Frauen Länder mit unseren Kindern in den Kindergarten und die Schule gehen. Weil unsere Kinder so von klein auf interkulturell lernen. Weil für sie Vielfalt normaler sein wird als für uns.

Wir sehen wie liebevoll eine Bulgarin unsere Großeltern pflegt, wie fair der pakistanische Junge in der E-Jugend Fußball spielt. Wir erinnern uns an den Geschmack von Kardamom, der in einem Tee war, der uns angeboten wurde.

Wir sind nicht stolz auf den Ausgang der Geburtslotterie, die den einen zum Deutschen und die andere zur Bolivianerin macht. Wir leben und lieben in binationalen Beziehungen und Ehen. Wir ziehen unsere Kinder zweisprachig auf, damit sie mit ihren Großeltern im Ausland reden können.

Wir sehen den Austausch der Kulturen als Bereicherung unseres Lebens, egal ob wir dabei portugiesischen Weichkäse oder iranische Heavy Metal Bands kennenlernen. Wir lachen über den serbischen Film, nordamerikanische Serien und Karnevalsbräuche in Ecuador.

Wir übernehmen Wörter aus anderen Ländern in unseren Sprachschatz, weil wir Dinge so besser ausdrücken können. Wir übernehmen Feste und Bräuche und stellen auf einmal ausgehöhlte Kürbisse ins Fenster. Wir sind überzeugt davon, dass Kulturen und Sprachen erst dadurch leben, dass sie sich vermengen, vermischen, bereichern und befruchten.

Wir wollen in einem Land leben, das Menschen auf der Flucht offensteht. Wir leben in einem Einwanderungsland und wir wollen eine Willkommenskultur anstatt die Mauern um Europa zu vergrößern. Wir sind entsetzt darüber, dass so viele Menschen an den Außengrenzen sterben. Wir verstehen, dass Menschen fliehen, egal aus welchem Grund. Wir wollen Flüchtenden ein neues Zuhause geben und die Möglichkeit, frei und in Würde zu leben. Ohne uns dabei auf die Schulter zu klopfen.

Wir sind überzeugt, dass wir zusammen den richtigen Weg finden können, der allen Teilen der Gesellschaft Rechnung trägt. Diese Auseindersetzung wird nicht immer einfach sein, sondern manchmal auch von Konflikten geprägt. Diese Konflikte wollen wir konstruktiv, friedlich und mit Respekt austragen und verhandeln. Dabei ist Migrationshintergrund für uns ein Zeichen der Stärke und Lebendigkeit der Gesellschaft.

In unserem Land ist es egal, welches Geschlecht jemand hat oder sich selbst zuschreibt. Es ist egal, wer wen einvernehmlich liebt. In unserem Land sind alle Menschen gleich. In unserem Land wollen wir sozial gerecht zusammen leben und gemeinsam die richtigen Fragen für die Zukunft stellen. Wir werden diejenigen politisch herausfordern, die soziale Spaltung vorantreiben oder Umverteilung verhindern. Wir wollen gelebte Solidarität, Mitgefühl und Empathie statt sozialer Kälte, Egoismus und deutschen Volksgenossen.

Zusammenleben und Austausch von Kulturen heißt für uns nicht Aufgabe von Werten, Ethik und Idealen. Vielmehr sehen wir, dass es Werte gibt, die in jeder Kultur zuhause sind. Auf ihnen bauen wir auf. Eine vielfältige Gesellschaft ist nicht einfach: Wir diskutieren hart in der Sache, wenn uns etwas nicht passt, aber wir finden gemeinsam Grenzen und Leitplanken des Zusammenlebens.

Wir stehen an der Seite aller Menschen in diesem Land, die friedlich und respektvoll miteinander leben wollen. Egal wo sie herkommen oder welche Religion sie haben. Egal ob sie eine andere Sprache sprechen oder andere Sitten und Gebräuche haben.

Wir wollen einfach zusammen leben. Wir wissen auch, dass viele der Ideale noch nicht umgesetzt sind.

Das heißt für uns:

Wir werden hasserfüllten Angsthasen, Rassisten und Fremdenfeinden dieses Land nicht überlassen, sondern an einer offenen und vielfältigen Gesellschaft weiterarbeiten. Was wir in Dresden und anderswo sehen ist nicht die Mitte der Gesellschaft, sondern Deckungsmasse von Nazis und Brandstiftern. Sie stellen nicht die richtigen Fragen, sondern treten nach unten. Sie sind diejenigen, die einer toleranten und freien Gesellschaft und Kultur im Wege stehen.

Wir danken deshalb all den Menschen, deren Ur-Großeltern, Großeltern, Eltern oder die selbst aus einem anderen Land hierher gekommen sind von ganzem Herzen, dass sie hier sind. Wir danken ihnen, dass wir Neues kennenlernen dürfen. Wir danken ihnen, dass wir immer wieder neu über uns nachdenken. Wir danken ihnen für eine ständige Neusausrichtung von dem, was wir unsere gewachsene Kultur nennen.

Zukunft geht nur zusammen.

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Wandern im Sauerland

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Nichts für Anfänger!

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GoogleMail …

… ist wie ein Kumpel, der vor Jahren gesagt hat, „Hey, ich bring Dir immer Deine Post, ich verteil sie Dir auch, wenn Du mal was zu verschicken hast. Und ich mach das ganz bequem für Dich. Und außerdem bring ich Dir bei Gelegenheit auch noch wirklich interessante Prospekte mit zu den Themen, die Dich interessieren.“ Und Du hast den Service jahrelang dankend angenommen.

Aber jetzt sagst Du irgendwann: „Schönen Dank für Deine Hilfe, Du hast das immer echt gut gemacht. Ich hol jetzt meine Briefe lieber wieder selbst ab, und bring sie auch selbst zur Post. Ich mach ab jetzt auch Briefumschläge drum. Ich hab jetzt einen Postdienst gefunden, der schreibt sich noch nicht mal auf, an wen ich immer schreibe und von wem ich Post bekomme. Nichts für ungut, geht nicht gegen Dich. Ach und Prospekte, die mich interessieren, hol ich mir eh schon selber.“

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Wie geht Verschlüsselung?

Verschlüsselung ist echt schwierig zu verstehen. Zumindest wenn man es genau wissen will. Aber wir nehmen es gar nicht so genau, wir wollen nur ein Grundverständnis davon bekommen, sozusagen die „Executive Summary“. Weiterlesen

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Überlegungen zum Datenschutz im kirchlichen Raum

In unserem Presbyterium habe ich mich mit Fragen zum Datenschutz im kirchlichen Raum beschäftigt. Ich will meine Überlegungen dazu hier veröffentlichen, weil ich denke, dass dies nicht nur für unsere Gemeinde von Interesse ist.

Im Wesentlichen geht es für mich um zwei Anliegen:
– vertrauliche, personenbezogene Daten dürfen nur so weitergegeben
werden, dass sie vertraulich bleiben, und
– es wäre wünschenswert, wenn die Pfarrer der Gemeinde auch über das
Internet auf einem vertraulichen Weg erreichbar wären. Weiterlesen

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