Piraten … srsly?

(Den folgenden Text habe ich vor einigen Wochen geschrieben, heute erscheint er mir schon wieder weit weg. Aber ich kann mir vorstellen, dass es in der Bevölkerung viele gibt, die ähnlich denken.)

Die Piraten sind die Partei mit dem ermutigendsten Ansatz und dem dämlichsten Namen seit langem.

Als ich das erste Mal von den Piraten hörte, war das für mich aus der Ferne betrachtet eine monothematische Spaßpartei. Ich habe mich damals nicht näher damit befasst, Internet ist interessant, aber keine Grundlage für Politik. Und wenn sich jemand „Piraten“ nennt, ist das kein Grund, sich ernsthaft damit zu befassen, ich habe zu tun. Siehe auch „Die PARTEI“, „Partei Bibelfester Christen“, „Alternative Pogo Partei Deutschlands“ usw. (Ihr sagt „oberflächlich“? Ja klar, nur so komme ich durchs Leben. Es wird mir so viel Schwachsinn erzählt, ich kann mir das nicht alles anhören.)

Später habe ich angefangen Mailinglisten zu lesen. Und auch dort schwappte mir – neben richtig guten Ideen – ein seltsam kindliches Fluch-der-Karibik-Piraten-Gehabe entgegen. Wenn ich mit Ayhh! oder Arrrh! begrüßt werde, trete ich erstmal einen Schritt zurück.

Politik sollte sich mit Inhalten befassen, nicht mit Namen. Aber im Wahlkampf geht es um Oberflächliches, um Image. Andere Parteien haben einen guten Grund, warum sie sich christlich, sozial oder frei nennen. Das sind mehrheitsfähige Ideen.

Und jetzt Piraten. Piraten sind rücksichtslose Verbrecher, die sich das Fehlen einer funktionierenden Exekutive zu Nutze machen und wehrlose Reisende ausrauben und umbringen, oder heute eher entführen und Lösegeld erpressen. Ist das das Thema?
Piraten sind auch ein romantisches Bild von dekorativ ausgestatteten Seefahrern, die zwar außerhalb des Gesetzes stehen, aber irgendwie doch auch gute Menschen sind. Über dieses Klischee kann man gut Bücher schreiben und Filme drehen, als solche Piraten verkleiden sich meine Kinder gern zu Fasching. Geht es darum?

Ich hätte Probleme, mich mit einem Piratenstand bei uns auf den Marktplatz zu stellen. Ich bin ein bekannter und geachteter Mann in unserer Kleinstadt (weniger William Turner, eher wie einer aus dem Tross von Governor Swann). Dass ich jetzt für Piraten werbe, das müsste ich erklären, ein bisschen stelle ich mir das auch peinlich vor. (In der alltäglichen Diskussion habe ich kein Problem, dafür einzustehen, dass die Inhalte und v.a. die „Politikmethoden“ der Piraten das Einzige sind, was in der heutigen Politik ermutigend wirkt. Aber wenn man Fähnchen und Luftballons verteilt, geht es nicht um Inhalte, sondern um Image. Und letzteres hängt mit dem Namen zusammen.)

Damals, als die Grünen noch klein waren, hätte ich dieses Problem nicht gehabt. Die passten zwar auch nicht in das bürgerliche Weltbild und vertraten utopische Ansichten (keine Atomkraft usw.). Aber sie standen für etwas Positives, mit Grün kann jeder Kleingärtner etwas anfangen.

Der Name einer Partei ist ein bisschen wie ihre Kleidung. Natürlich kann ich mit Latzhose, Trainingsanzug, Strickpulli oder Hoodie rumlaufen. Das ändert nicht meine Kompetenz oder den Wert meiner Ansichten. Aber wenn ich bei der Bank einen Kredit will, ziehe ich das Sakko an.

Was wollen die Piraten erreichen? Wenn sie nur die bundesdeutsche Politik „durchrütteln“ wollen, haben sie vielleicht schon den richtigen Namen. Wenn sie aber irgendwann den Bundeskanzler stellen wollen (ja, denkt an Kretschmann!), dann gibt es ein Problem.

Ich schlage deshalb vor, dass die Piraten einen Namen suchen, der besser zu Ihren Inhalten passt (#wonthappen).
Alternativ sollte eine Diskussion darüber geführt werden, wie die Äußerlichkeiten der Piraten auf „normale Menschen“ wirken (der größere Teil der Bevölkerung/Wähler ist nicht zwischen 18 und 35 und kommt nicht aus dem IT-Umfeld).

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