Ärzte haben immer recht

Ein Lehrer erklärte mir neulich seinen Berufsstand mit: „Lehrer haben vormittags rechts und nachmittags frei.“

Ja, dachte ich, und was bedeutet das für meinen Berufsstand? Ärzte haben immer recht und nie frei. Das deformiert die Persönlichkeit. Man gewöhnt sich nicht nur daran, dass jeder hören will, was man sagt, und es auch noch ernst nimmt. Man hat nicht einmal Zeiten, wo man einfacher Privatmensch und allgemeiner Laie ist. Immer wenn mein Gegenüber von meinem Beruf erfährt, schwenkt das Gespräch auf medizinische Themen und ich bin wieder der Experte, Ratgeber, Erklärbär. Und selbst bei völlig unmedizinischen Themen hat das Wort des „Herrn Doktor“ mehr Gewicht als das eines beliebigen Herrn Schulze/Meier/Koslowski. (Natürlich völlig unabhängig von tatsächlicher Fachkompetenz.)

Vielleicht ist das der Grund, dass viele ärztliche Kollegen so von oben herab wirken, so besserwisserisch. Das macht sie bisweilen zu einer wenig angenehmen Gesellschaft. Oft ballen sie sich auch im Privatleben in Clustern von Ärzten und anderen Berufsexperten (Anwälte haben ähnliche Kommunikationsstrukturen) und haben so praktisch nur mit „bedeutenden“ Menschen zu tun. Wenn sie dann auf normal Sterbliche treffen, ist ein Gefühl der Überlegenheit (bzw. von außen betrachtet: Überheblichkeit) schon kaum noch zu vermeiden.

Ach ja, nur um eins klar zu machen: Ich kenne auch viele sehr nette, freundliche, bescheidene, zugewandte Ärztinnen und Ärzte. Immerhin haben die meisten von uns ihren Beruf aus einer grundlegend altruistischen Motivation angefangen. Aber die erlebte Lebensrealität hat nun mal einen Einfluss auf Einstellungen und Verhalten und nicht jede/jeder kann oder will sich dessen erwehren.

(Disclaimer: Im Durchlesen fällt mir auf, dass dieser Text überwiegend nicht korrekt gegendert ist. Passt schon.)

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