Überlegungen zum Datenschutz im kirchlichen Raum

In unserem Presbyterium habe ich mich mit Fragen zum Datenschutz im kirchlichen Raum beschäftigt. Ich will meine Überlegungen dazu hier veröffentlichen, weil ich denke, dass dies nicht nur für unsere Gemeinde von Interesse ist.

Im Wesentlichen geht es für mich um zwei Anliegen:
– vertrauliche, personenbezogene Daten dürfen nur so weitergegeben
werden, dass sie vertraulich bleiben, und
– es wäre wünschenswert, wenn die Pfarrer der Gemeinde auch über das
Internet auf einem vertraulichen Weg erreichbar wären.

Viele Aspekte spielen hier eine Rolle:

E-Mail ist praktisch.

Vor nicht all zu langer Zeit war es noch üblich, Mitteilungen als Briefe
zu verschicken, per Post oder über ein Postfach im Gemeindebüro. Heute
ist praktisch jeder per Mail erreichbar, deshalb ist es
selbstverständlich geworden, diesen Weg zu nutzen. E-Mail ist nicht nur
bequem, sondern vor allem auch viel schneller als der traditionelle Brief.

Mail kann mitgelesen werden und wird auch umfassend mitgelesen.

Seit letztem Sommer haben wir die erschreckende Gewissheit, dass
praktisch die gesamte Internetkommunikation mitgelesen, ausgewertet und
gespeichert wird. Das konnten wir uns bisher kaum vorstellen,
insbesondere wegen des gigantischen Aufwands, den man damit verbindet.
Heute wissen wir, dass einerseits ein gewaltiger Aufwand zur Überwachung
der Bürger getrieben wird, und dass andererseits durch ausgefeilte
Software die maschinelle Überwachung auch großer Datenmengen möglich
geworden ist. Auch Daten, die heute noch irrelevant erscheinen, werden
viele Jahre gespeichert und können nachträglich ausgewertet werden.

Menschen haben sich immer schon auf die (Un-)Sicherheit ihrer
Kommunikationswege eingestellt.

Wir wissen, was wir wem in welcher Situation mitteilen können.
Vertrauliche Dinge besprechen wir hinter verschlossenen Türen oder mit
leiser Stimme in einer ruhigen Ecke. In Unternehmen werden z.B.
Personalunterlagen immer im verschlossenen Umschlag in die Hauspost
gegeben. In der DDR war den Menschen immer gegenwärtig, dass man gewisse
Dinge am Telefon nicht bespricht.

Wer nichts verbrochen hat, hat auch nichts zu befürchten?

Im Wesentlichen sind es die Strafverfolgungsbehörden und die
Geheimdienste, die die Internetkommunikation überwachen. Die meisten von
uns stehen nicht so ernsthaft mit dem Gesetz in Konflikt, dass sie im
Visier dieser Behörden wären. Dass man sich trotzdem auch als guter
Christ und „anständiger“ Bürger nicht sicher fühlen kann, zeigt
beispielhaft der sehr lesenswerte Bericht des Religionswissenschaftlers
Michael Blume.
Auch die zweifelhaften Ermittlungsverfahren gegen Pfarrer Lothar König lassen mich
vorsichtig werden.

Dazu kommt, dass auch andere Menschen Mails mitlesen können. Jeder, der
auf einen der Rechner auf dem Mail-Weg Zugriff hat, kann die Inhalte
lesen. Natürlich hat T-Online oder Web.de kein Interesse an unseren
Presbyteriumsprotokollen. Aber wissen wir, ob nicht ein
System-Administrator von GMX, Arcor oder irgendeinem anderen Anbieter
zwei Straßen weiter wohnt? Wenn der mal einen „Kontroll“-Blick in die
Mail wirft, ist das so ähnlich, wie wenn der Postbote die
Urlaubspostkarten überfliegt. Das soll der natürlich nicht, aber jeder
weiß, dass das passieren kann.

Es geht nicht um unsere Daten.

Das „Ich habe ja nichts zu verbergen“-Argument zieht hier nicht. Seine
eigenen Daten kann jeder offen verschicken, bei Facebook posten oder
über Twitter verbreiten. Aber bei fremden Daten müssen die
(mutmaßlichen) Wünsche der Betroffenen entscheidend sein. Die Menschen,
die uns anvertraut sind und mit denen wir arbeiten, verlassen sich
darauf, dass wir mit ihren Daten verantwortungsvoll umgehen.

„Andere machen es doch genauso.“

Natürlich, die Mitarbeiterin meiner Bank wusste noch nicht einmal, wovon
ich rede, als ich fragte, wie ich ihr eine verschlüsselte Mail schicken
kann. Selbst offizielle Regierungs- und Verwaltungsstellen schicken
unsere Steuerangelegenheiten und andere persönliche Unterlagen über
ungeschützte Mails weiter. Das ist falsch, aus meiner Sicht kann das im
Einzelfall auch ein strafrechtlich relevantes Fehlverhalten sein.
Aber dass Andere den rechtlich gebotenen Datenschutz missachten, kann
für uns ja kein Argument sein.

Bisher hatte keiner den Wunsch nach einer verschlüsselten
Kontaktmöglichkeit.

Die Zeiten ändern sich, vor 10 Jahren hatten viele Gemeinden noch nicht
einmal eine Mailadresse.
Natürlich wird wenig verschlüsselt gemailt, weil immer beide Seite dazu
in der Lage sein müssen (Henne-Ei-Problem). Aber gerade in der Kirche
darf das kein Argument sein, wenn man eine Sache als richtig erkannt hat
(„Ihr seid Salz der Erde!“).

Verschlüsselung ist aufwendig.

Ist sie nicht. Wenn ich an meinem Rechner eine Mail verschlüsselt
versenden will, muss ich nur ein zusätzliches Häkchen setzen. Mails, die
ich verschlüsselt bekomme, werden auf meinem Rechner vollautomatisch
entschlüsselt.
Zugegeben, am Anfang muss man schon ein bisschen Aufwand treiben. Man
sollte zumindest in groben Zügen verstehen, was bei der Verschlüsselung
passiert. Man muss sich das geeignete Programm installieren (gibt es
kostenfrei für Windows, Mac, Linux und alle anderen). Man muss sich
einen persönlichen Schlüssel erstellen (macht das Programm auf
Knopfdruck). Und man muss die persönlichen Schlüssel mit seinen
Kommunikationspartnern austauschen (nur einmal; es gibt einfache Wege
dafür).
Aber dann ist im Alltag eine verschlüsselte Mail nicht mehr Aufwand als
eine für jeden lesbare Mail.

Wie angekündigt komme ich zu diesen Schlussfolgerungen:

Wir sollten wie früher vertrauliche Inhalte nur auf ausreichend sicheren
Wegen verschicken. Wir können zurück zur bewährten Papierpost gehen oder
wir können unsere Mailprogramme so aufrüsten, dass E-Mail einen
ausreichenden Grad an Vertraulichkeit bekommt. (Ich bin natürlich für
die zweite Möglichkeit.)

Unsere Pfarrer, ggf. auch der Gemeindereferent, sollten die Möglichkeit
haben, vertrauliche Mails zu empfangen. Auch in Zukunft wird das
seelsorgerliche Gespräch in der Regel unter vier Augen ablaufen. Aber es
wird zunehmend normal, sich auch auf elektronischem Wege über
persönliche Dinge auszutauschen. Es wäre wünschenswert, wenn unsere
Pfarrer die dafür nötige Ausstattung hätten.

Ich will aber nicht nur Forderungen aufstellen. Die nächsten Blogposts werden sich damit befassen, Verschlüsselung als solche zu erklären und dann auch Hinweise für eine konkrete Umsetzung in die Praxis zu geben.

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